Wildäcker für Hase & Co.

alexander oberst/stock.adobe.com

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dem Niederwild im Revier etwas Gutes zu tun.

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Im Niederwildrevier greifen zusätzlich zum Rehwild Hase, Rebhuhn und Fasan auf die Wildäsungsfläche zurück. Während der Hase als „Gemischtköstler“ ähnliche Ansprüche an seine Äsungspflanzen stellt wie das Reh, benötigen wir für das Federwild in den Sommermonaten blühende und Insekten anziehende Sorten in der Mischung, damit die Küken ihren hohen Anteil an tierischer Nahrung (Insektennahrung) decken können. Für Herbst und Winter soll der Pflanzenbestand nicht nur stabile Strukturen haben, die Schneedruck vertragen und Deckung liefern, sondern auch fettreiche Körneräsung liefern.

Eine sinnvolle Flächenauswahl ist leider in den meisten Revieren nicht mehr oft gegeben. Flächen neben viel befahrenen Verkehrswegen scheiden absolut aus. Erstens wollen wir ja nicht das letzte Wild über interessant gestaltete Äsungs- und Deckungsflächen in die Nähe von Straßen locken, um es letztlich von derselben zu kratzen, noch mit dem Vorwurf leben, indirekt für Verkehrsunfälle verantwortlich zu sein. Trotzdem sollten sich mit Blick und Gespür in jedem Revier geeignete Parzellen ausfindig machen. Oft helfen dazu Gespräche mit Landwirten über geplante Brach- und Stilllegungsflächen.

Da diese aufgrund von Programmen zu begrünen sind, kann der Jäger z. B. durch die Bereitstellung des Saatguts Einfluss auf deren Gestaltung nehmen.

FÜR DEN HUNGER ZWISCHENDURCH
Aber auch viele Äcker, die im Folgejahr für Mais, Kartoffeln oder Rüben vorgesehen sind, können wir vielleicht noch im Spätsommer nach der Getreideernte mit einer Mischung aus Zwischenfruchtpflanzen begrünen lassen. Gerade die für die Maisproduktion vorgesehenen Flächen, auf denen kein Grünroggen als zweite Ernte für die Biogasnutzung vorher angebaut wird, eignen sich besonders für unser Vorhaben. Landwirte und vor allem Biogasbetreiber sind vielleicht gerne bereit, Boden verbessernde Zwischenfrüchte auf die Getreidestoppel zu säen, wenn ihnen der Jagdpächter das Saatgut dafür stellt oder bei mehreren großen Flächen sich zumindest daran beteiligt.

Ausgesät wird unsere modifizierte Zwischenfruchtmischung (Zusammensetzung s. u.) dann in die gegrubberte Getreidestoppel. Gleichzeitig mit dem auflaufenden Ausfallgetreide bietet sie nach wenigen Wochen bis zum Ende des Winters auf großer Fläche Äsung und vor allem Deckung für das Niederwild.

Eine Düngung erübrigt sich auf den vorher intensiv mit Nährstoffen versorgten Ackerböden. Ganz im Gegenteil – die tief wurzelnden Pflanzen der Mischung nehmen noch die im Boden befindlichen überschüssigen Nährstoffe auf und binden sie, bevor sie im Grundwasser versickern. Zusätzlich sorgen sie für eine tiefe Lockerung des Bodens.

Ölrettich und Senf bieten durch ihr schnelles Wachstum gute Deckung und gleichzeitig Erosionsschutz, sterben aber bei starkem Frost ab. Die Anteile Winterfutterraps und Winterrübsen sind winterhart und bieten dem Wild für einen langen Zeitraum hochwertige Winteräsung. Gerade die von meinem Kollegen Wildmeister Günther Claussen zusammengestellte Zwischenfruchtmischung gilt mit diesen Vorzügen als ein exzellentes Vorfruchtgemenge für alle späteren Folgesaaten.

Eine weitere ergänzende Möglichkeit können auch die Banketten wenig befahrener Wege oder Grabenränder sein, die wir mit einer Hasenapotheke zu interessanten Äsungsstreifen mit wenig Aufwand herrichten können.

CHANCEN DURCH ENERGIEÄCKER
Sollte es vielen Niederwildjägern bisher nicht geglückt sein, eine Vernetzung von Kleinstbiotopen in ihrem Revier aufgrund fehlender freier Flächen erreichen zu können, bieten sich mit dem veränderten Anbau in der Landwirtschaft vielleicht ungeahnte Möglichkeiten: Großflächige Vernetzung von ausreichend hoher Deckung mit wertvoller Äsung über das ganze Hebst- und Winterhalbjahr! Womöglich kann der Jäger sogar bei ausreichender Verteilung derartiger Nischen das Wild bereits zur Hauptmaisernte aus den Schlägen locken und so vor dem Häckseltod bewahren. Einen Versuch wäre es allemal wert.

Matthias Meyer