SAU TOT!

Foto: Zeiss

Falknerin Sandra Jung erlebte im Laubacher Forst zwei besondere Winterjagdtage, die von Waidmannsheil gekrönt wurden.

Meist jagt Sandra Jung auf Krähe und Kanin. Nicht etwa mit der Flinte, nein, sondern mit ihrem Wüstenbussard „Dexter“. Seit April 2018 betreibt die 26-Jährige gemeinsam mit ihrem Freund Benedikt Nyssen die Falknerei auf Burg Greifenstein im thüringischen Bad Blankenburg. Immer wenn sich die Gelegenheit bietet, tauscht sie Falknerhandschuh gegen Büchse und stellt dem heimischen Schalenwild nach.

„Die konventionelle Jagd hat einen hohen Stellenwert. Ich genieße die Ruhe und Zeit auf dem Hochsitz, aber auch die Spannung auf der Bewegungsjagd“, verrät Sandra.

Foto: Zeiss
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Im Herbst haben wir die gebürtige Westfälin im idyllischen Laubacher Forst am Rande des Naturparks Hoher Vogelsberg (Hessen) im Rahmen einer Drückjagd begleitet. Bereits am ersten Jagdtag kam reichlich Wild in Anblick: flüchtige Rehe, Reineke, ein einzelnes Rottier und eine Sau. „Diese wechselte leider genau zwischen mir und den Treibern auf mich zu. Das Antragen eines Schusses war völlig undenkbar. Gefreut über den Anblick habe ich mich natürlich trotzdem“, so die passionierte Jägerin.

Am zweiten Tag hatte Väterchen Frost die Natur fest im Griff. Der Wald war in ein glitzerndes Weiß getaucht. Beste jagdliche Voraussetzungen. Zunächst hieß es jedoch: warten. Nicht einmal die Treiber kamen „in Anblick“. „Ich wollte der Frustration keinen Nährboden geben, aber nach zweieinhalb Stunden kam sie so langsam auf“, gibt Jung rückblickend zu. Plötzlich: ein lautes Knacken. Zwei Stücke Rehwild zogen durch die verschneite Landschaft und verhofften im Stangenholz. „Ich war gerade dabei, sie anzusprechen (nur weibliche Stücke waren frei), als Fotograf Jérôme mich auf ein Stück Schwarzwild hinter dem Sitz aufmerksam machte“, berichtet Sandra. Keine 40 Meter vom Stand entfernt versuchte sich eine einzelne Überläuferbache auf leisen Schalen klammheimlich aus dem Staub zu machen.

„Ich habe mich kurz vergewissert, bin mitgezogen und habe der Sau den Schuss angetragen. Sie zeichnete und zog den Berg hoch aus meinem Sichtfeld.“

Foto: Zeiss
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„Ich habe mich kurz vergewissert, bin mitgezogen und habe der Sau den Schuss angetragen. Sie zeichnete und zog den Berg hoch aus meinem Sichtfeld.“ Die Treiber gaben schließlich Gewissheit: Der verendete Schwarzkittel lag nur wenige Meter hinter der Kuppe mit einem perfekten Kammertreffer. „Ich war sehr erleichtert und glücklich“, erinnert sich die Falknerin. „In erster Instanz sehe ich mich als Hegerin – hier liegt mir natürlich insbesondere der Schutz der Greifvögel am Herzen – und in zweiter als Jägerin, die Beute machen möchte“, so Sandra Jung.

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