Rohkost

Lilli/fotolia
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Höchstleistungen im Jagdbetrieb sind für Hunde nur möglich, wenn die Ernährung stimmt. Da kommt BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter) gerade recht.

Von unseren Jagdhunden erwarten wir während der Jagdsaison körperliche Fitness und eine hohe Leistungsfähigkeit. Dies erreicht man durch kontinuierliches Training und angepasste Ernährung. Viele Hundeführer verfüttern ihren Hunden Trockenfutter, denn das ist günstig, ausgewogen, leicht zu dosieren und gut zu lagern. Das erste Trockenfutter für Hunde entstand übrigens Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Amerika.

Eine weitere Form der Ernährung – gerade für uns als Jäger – ist BARF (Biologisch Artgerechte Rohfütterung). Da der Hund ein Karnivor, also ein Fleischfresser ist, sind Gebiss und Verdauungssystem darauf ausgelegt, Fleisch, Knochen und Innereien zu verwerten. In der Natur verwerten Karnivoren sogar Teile der Decke und lecken Schweiß auf. Alles zusammen ergibt eine ausgewogene Mischung aller Nährstoffe, die der Organismus benötigt. Wichtig ist dabei nicht, dass der Hund jeden Tag eine ausgewogene Mahlzeit bekommt, sondern dass das Verhältnis der Bestandteile über einen längeren Zeitraum (ca. vier Wochen) stimmt.

BARF ist die Abkürzung für Biologisch Artgerechtes Rohes Futter (Ursprung engl. Bones And Raw Foods) und kann kurz mit Rohfütterung übersetzt werden. Jagdhunden werden dabei vor allem grüner Rinderpansen, Rindfleisch, Leber, Kalbsschwänze, Kalbsbrustknochen, Kehlköpfe, Herzen, Geflügelhälse, aber auch Wildbret, Drossel, Drosselknopf und Pansen verfüttert.

Als Jäger hat man die Möglichkeit, den Hunden die Teile des erlegten Wildes zukommen zu lassen, die nicht mehr für die menschliche Verwertung vorgesehen sind. Seien es die Knochen, der Aufbruch, Wildbretabschnitte, die beim Zerlegen anfallen, oder Teile der Decke. Auch frisches Unfallwild kann man gut verwenden. Grundsätzlich ist alles Wildbret tauglich außer das von Schwarzwild (Aujetzkysche Krankheit).

phil stev / fotolia
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In der jagdarmen Zeit besteht die Möglichkeit, Fleisch für die Rohfütterung portionsweise, sauber verpackt und eingefroren bei speziellen Versandhändlern einzukaufen. Die Kosten liegen dabei nur knapp über denen für Fertigfutter.

Zehn gute Gründe, warum Sie Ihrem Jagdhund hochwertiges Frischfutter anbieten sollten.
1. mehr Freude am Fressen
2. Stärkung des Immunsystems
3. stärkere Bänder und Sehnen
4. bessere Muskulatur
5. gesundes, glänzendes Fell
6. weniger Allergien
7. kein übler Hundegeruch (außer bei Pansen)
8. Normalisierung der Verdauung
9. kein Zahnstein
10. keine Konservierungs- und keine Farbstoffe

Doch wie viel muss man füttern? Ein Hund benötigt in der Regel zwei Prozent seines Körpergewichts als Futtermenge pro Tag. Bei einem Hund von 25 Kilogramm sind das 500 Gramm täglich. Das erscheint einem erst einmal viel, doch muss man bedenken, dass sowohl in Fleisch als auch in Obst und Gemüse viel Wasser enthalten ist. Die zwei Prozent Futtermenge setzen sich zusammen aus 70 bis 80 Prozent Fleisch, fleischigen Knochen und Innereien. Dabei muss man langfristig darauf achten, dass man die Fleischsorten wechselt. Dies bedeutet, nicht nur Innereien oder Pansen, sondern auch Muskelfleisch und andersherum. Der Anteil von Obst und Gemüse beträgt 20 bis 30 Prozent.

KalypsoWorldPhotography/shutterstock
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Alle zwei Tage sollte die Mahlzeit abwechselnd mit einem hochwertigen Öl (Lachs-, Raps-, Distel-, Nuss- oder Maiskeimöl) angereichert werden. Auch frische Knochen dürfen verfüttert werden, denn sie sind wichtig für die Kalziumversorgung. Gekocht dürfen sie nicht werden, denn dann splittern sie und können den Hund verletzen. Selbst rohe Hühnerknochen sind geeignet. Allerdings sollte man den Hund an Knochen langsam heranführen und als Erstes weiche Knorpelteile, zum Beispiel Hähnchenhälse, verfüttern, bis der Verdauungstrakt sich daran gewöhnt hat. Einige Händler bieten zudem „gewolfte Hühnerhälse“ an.

Handel/Versand
Inzwischen bieten zahlreiche Firmen gefrorenes Frischfutter im Internet an. Die Bestellungen werden Montag bis Donnerstag verschickt. Die Lieferung erfolgt in Isolierboxen aus Styropor. In der Regel bekommt der Kunde am nächsten Tag sein Paket. Einige Händler packen Trockeneis (Zusatzkosten ca. 2 Euro) in den Karton, damit das Fleisch nicht antaut.

Rohfleisch füttern ist keine Wissenschaft und man sollte auch keine daraus machen. Ein Nachteil an BARF ist sicherlich, dass man eine gewisse Gefrierkapazität zur Verfügung haben muss. Bei Jägern sollte das jedoch kein Problem darstellen. Zudem gibt es immer mehr Zoohandlungen, die Frischfleisch anbieten, sodass man sich bedarfsgerecht eindecken kann.

 

Eva Polzer

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