Masuren der Extraklasse

Logo_Jagdbuero_KahleBeruflich gut eingespannt, fällt es mir nicht leicht, mich im Herbst zur Jagd aus dem Betrieb zu stehlen. Da kam mir die Ansitzdrückjagd Anfang Januar in Masuren vom Jagdbüro Kahle gerade recht.

Gut in Polen angekommen, wurde die Reisegruppe von 50 Jägern auf verschiedene Unterkünfte verteilt. Ich wohnte mit 14 weiteren Teilnehmern in der Pension „Alicja“ und war mehr als angenehm überrascht. Sehr schöne Zimmer, und was „Alicja“ für uns morgens und abends aufgetischt hat, übertraf bei Weitem meine Erwartungen.

Am nächsten Morgen ging es in der Dunkelheit zum Streckenplatz. Dort wartete der gesamte Forststab auf uns. Einweisung und Verlosung der Stände verliefen zügig. Tatsächlich hatte ich jeden Tag Anlauf, der zwar nicht immer zum Jagderfolg führte, aber es wäre auch vermessen, dies zu erwarten. Nach zwei Tagen hatte ich bereits drei Stück Wild – Fuchs, Frischling, Rotkalb – auf der Strecke und war rundum zufrieden.

Aber dann kam „mein Tag“: Im ersten Treiben setzte mich mein Ansteller als Letzten ab und lud mich zusammen mit Jörg Eberitzsch, dem Jagdreiseveranstalter, auf einen Tee am Auto ein. Denn wir hatten noch eine halbe Stunde Zeit, bis die Treiber sich in Bewegung setzen sollten.

Ich bedankte mich für die Einladung, zog es jedoch vor, direkt meinen Stand in der Nähe zu beziehen. So konnte ich mich in Ruhe einrichten. Durch die kurze Distanz zum Auto wurde mir auch nicht langweilig. Sehr gut konnte ich den „tiefgründigen“ Gesprächen der beiden Jagdexperten lauschen.

Sie kennen ja das Ritual auf einem Drückjagdstand: erst einrichten und dann sofort orientieren, wie das Sicht- und das mögliche Schussfeld sind. Ich saß etwa zwei Meter über dem Boden und schaute auf einen Erlenbruch hinab. Dahinter erstreckte sich eine riesige Schilffläche.

In einigen wenigen Bereichen können die Sauen hier unbemerkt ziehen. Und so bekam ich nicht mit, dass sich etwas meinem Stand näherte. Nur ein leichtes Knacken auf der rechten Seite und im Augenwinkel eine Bewegung ließen mich erstarren. Instinktiv griff ich zur Waffe, spannte und wartete im Halbanschlag. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen schon Zweifel, ob ich mir das alles eingebildet hatte. Hinzu kam das Gebabbel der hinter mir quatschenden Jagdexperten!

Plötzlich schob sich auf 60 Meter der riesige Körper eines Hauptschweins auf eine Rückeschneise. Sofort war das Blitzen der Waffen zu sehen. Kaum hatte ich registriert, dass hier „mein Keiler“ zum Greifen nahe war, da setzte dieser zu einem gewaltigen Sprung an. Instinktiv riss ich die Waffe nach vorne an das Haupt des Keilers und der Schuss brach. Sauberer Tellerschuss! Meine R93 im Kaliber 9,3 x 62 mit dem 18,5 g TM hatte wieder mal gute Arbeit geleistet. Und was war jetzt von meinen Jagd- experten zu hören: gar nichts! Die sind nach meinem Schuss wohl auch erst einmal in Schockstarre verfallen. Nach kurzer Zeit hörte ich nur „Haben Sie geschossen?“ und nach meiner Anmerkung, wer denn hier sonst geschossen haben könne, wenn weit und breit kein Jäger zu sehen ist, kamen die beiden Profis lachend zu meinem Stand.

Als sie dann den Bassen auf der Schneise erblickten, war die Freude groß. Die beiden waren sich natürlich sofort einig, dass nur ihr Gerede den Keiler angelockt habe und ich mich am Abend mit ein paar schäumenden Gläsern bedanken müsse. Daran sollte es sicher nicht scheitern, auch wenn ich an dieser Theorie bis heute zweifele. Bei dieser Jagd lagen 156 Stück Wild auf der Strecke und seitdem ist die Januarjagd ein fester Termin in meinem Kalender.

Für mich ist die Jagd in Masuren immer wieder faszinierend. Im verschneiten Winterwald zu jagen löst für den Naturliebhaber unweigerlich allerhöchste Glücksgefühle aus. Das Revier ist so unterschiedlich strukturiert, dass jedes Treiben wieder ganz neue Herausforderungen bietet.

Ein Erlebnisbericht von Andreas Queßeleit
Kunde von Jagdbüro G. Kahle

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