Krieghoff Coaching-Workshop mit Ed Solomons Teil 3

Im dritten Teil des KRIEGHOFF Coaching Workshops gibt Ed Solomons praktische Tipps und Tricks zum Schießen einer Über-Kopf Taube, die oft schwer zu treffen ist, da das Ziel durch den Lauf verdeckt wird.

In den ersten beiden Teilen unserer Aufgespürt-Ratgeberserie  ging es um Schäfte, Basküle und Verriegelung. In  diesem Teil liegt das Augenmerk auf den Läufen. Diese  gehören nicht nur in juristischem Sinn zu den „wesentlichen  Teilen“ einer Waffe, sondern auch im wahrsten  Sinne des Wortes.

Krieghoff
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Beim Flintenkauf kommt eine ganze  Reihe verschiedener Aspekte zum  Tragen. Bei den Läufen beginnt die  Qualität unter anderem schon bei  der Auswahl der Stahlsorten und  der Art der Laufbündelung. Beim  Zusammenfügen der Läufe bei  Doppelflinten (Querflinten) kommt  die altbewährte Demibloc-Methode zum Einsatz. Dabei wird jeweils der  eine halbe Verschlusshaken mit dem  anderen verbunden und die Läufe  miteinander verlötet.
Bei modernen Bockflinten ist es der  Monobloc, in den die Läufe gesetzt  werden. Er enthält Verschlusselemente  wie Haken, kann aber auch  Ejektoren aufnehmen. Im weiteren  Verlauf kann man die beiden Läufe  einer Bockflinte mit einer Zwischenschiene  verlöten. Diese kann zur  besseren Laufabkühlung ventiliert  sein. Beide Flintenläufe werden in  der Regel so zueinander „garniert“  (ausgerichtet und verlötet), dass sie  auf die waidmännisch vertretbare  Schrotschussentfernung von 35 Metern zusammenschießen.

VISIERSCHIENE

Krieghoff
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Wenden wir uns der Visierschiene  zu. Im Idealfall ist diese ventiliert. So  wird ein störendes Flimmern bei heiß  geschossenen Läufen minimiert.  Weiterhin ist eine geringe Verjüngung  nach vorn vorteilhaft. So wird  der Blick besser zum Ziel gelenkt.  Nun stellt sich die Frage, wofür die  Flinte verwendet werden soll. Denn  die mit einer reflexmindernden  Schraffur gravierte (guillochierte)  Visierschiene sollte dem Verwendungszweck  angepasst sein. Zum  sportlichen Wurfscheibenschießen  wäre eine etwas verbreiterte Visierschiene  (10 und 12 mm) günstig.  Und „Trapschienen“ beispielsweise sind oft bewusst für einen Hochschuss  ausgelegt.
Über die Visierschiene wird die Flinte  eingeschossen: Bei auf dem Korn aufsitzendem  Ziel (so wird dieses nicht  verdeckt) ist ein leichter Hochschuss  wünschenswert. Ein Hilfskorn auf  halber Laufschienenlänge dient dazu,  den korrekten Anschlag zu erkennen.

LAUFLÄNGE
Mit Laufgewichten unter dem Vorderschaft  (ggf. auch im Hinterschaft)  kann die Balance beeinflusst und  optimiert werden. Natürlich sind  dafür auch Lauflänge und -dimensionen  verantwortlich. 76 Zentimeter  lange Läufe sind universell  verwendbar. Sie sind sowohl für  den Parcours als auch für die Jagd  geeignet (Wasser- und Flugwildjagd).  Für Parcours und Trap bevorzugen  einige Schützen sogar 81-Zentimeter-  Läufe, während bei Skeet  oft 71-Zentimeter-Läufe gewählt  werden. Da sie die Flinte besonders  führig machen, sind Letztere bei  Feld- und Waldjagden sehr beliebt.

Krieghoff
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LAUFSEELE
Die Laufinnenwände einschließlich  der Patronenlager sind bei hochwertigen  Flinten heutzutage hartverchromt.  Vorteilhaft ist ein geringfügig  größerer Laufinnendurchmesser als  das Minimalmaß nach CIP (Beschusskommission).  Das verbessert die  Schussleistung im Allgemeinen und  erhöht die Schrotgeschwindigkeit  leicht. Bessere Deckung und höhere  Gleichmäßigkeit sind zu erwarten. Der  Übergang zum Choke (Mündungsverengung)  sollte sanft über eine längere  Strecke erfolgen. Tritt die Verengung  im letzten Laufviertel vor der Mündung  hingegen abrupt ein, erleidet  der Schütze einen unnötig heftigen  Rückstoß.

CHOKES

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Neben festen Chokes sind mündungsbündige  Wechselchokes (für  sportliches Schießen „extended“  (überstehende) Wechselchokes)  üblich. Die Wahl des Chokes wird  im Wesentlichen vom Verwendungszweck  der Flinte bestimmt. Bei Skeet  sind Skeetchokes die Wahl und für  Trap ¾- und Vollchoke oder spezielle  enge Trapchokes (Super-voll). Für  die üblichen Hasen- und Feldjagden  ist eine Kombination aus ¼- und  ¾-Chokes ideal. Allgemein gilt für  die Jagd: lieber offener als zu eng.  Viele Flugwildjäger wählen ¼- und  ½-Choke oder sogar nur Zylinder-    und ¼-Choke als besonders streuende  Variante. Enge Choke-Kombinationen  wie ½- und -Choke sind  auf der Jagd nur selten erforderlich.

STAHLSCHROTE

Krieghoff
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Für Stahlschrote sollten offenere  Chokes verwendet werden, da die  Trefferdichte höher ist als mit Bleischroten.  Der ½-Choke sollte hier  die obere Grenze darstellen. Bei  modernen Flinten haben die Läufe  in der Regel Stahlschrotbeschuss  (Lilie), um alle nichttoxischen Schrotmaterialien  verwenden zu können.  Für Stahlschrot eignet sich besonders  das Kaliber 12. Bei jagdlichen  Bockflinten hat sich inzwischen  12/76 als universell durchgesetzt,  obwohl man selten Magnumpatronen  benötigt. Für Sportflinten  genügt natürlich 12/70.
Tipp: Schießen sie unter Beobachtung  eines Flintencoaches einige  Runden Parcours, Skeet oder Trap,  ehe sie sich für „ihre“ Lauflänge und  für geeignete Chokes entscheiden.  Dabei spielen das individuell wahrzunehmende  Schwingverhalten und  die jeweilige Balance eine besondere  Rolle. Man muss „live“ fühlen,  was einem mehr liegt. Nur mithilfe  eines Flintenlehrers wird man die  ideale sowie individuelle Lauf-,  Kaliber- und Chokewahl treffen, statt  womöglich durch einen Fehlkauf  teures Lehrgeld zu zahlen.

KRIEGHOFF-FLINTEN

Krieghoff
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Noch ein Blick auf die Bock- und  Querflinten von Krieghoff: Die dort  verwendeten Laufstähle stehen – im  Einklang mit ihrer Bearbeitung – für    eine lange Lebensdauer. Bei den  Bockflinten K-80 und K-20 geht  Krieghoff, abgesehen vom Monobloc,  einen nicht alltäglichen Weg:  Die Zwischenschiene fehlt. Die Läufe  werden lediglich mittig und an der  Mündung anhand tauschbarer Distanzringe  miteinander verbunden.  Dank der Laufringe aber so, dass  sich die Läufe bei Wärme frei ausdehnen  können. Daher sind diese, im  Gegensatz zu ganz verlöteten Laufbündeln,  thermisch entkoppelt. Das  garantiert selbst bei „heißen“ Läufen    ein optimales Zusammenschießen.  Die K-80- und K-20-Läufe lassen  sich mittels Tausch der vorderen und  mittigen Distanzringe zueinander  regulieren. Die Halterung wird am  oberen Lauf hart verlötet.

PRÄZISION
Die perfekte Voraussetzung für  schnelle, präzise Zielerfassung bei  einer Bockflinte von Krieghoff ist  die konisch angesetzte, teils verstellbare  Visierschiene. Die inneren  Laufdurchmesser sind selbstverständlich  weiter als Standardvorgaben,  was oben geschilderte Vorteile  bringt. Ein Clou sind optionale  vergoldete Titan-Wechselchokes.  Im Übrigen haben bei Krieghoff alle  Ejektoren langlebige Schraubenfedern.
Eine führige Flinte in 20/76 wie die  Bockflinte „K-20“ oder die Seitenschloss-  Querflinte „Essenica“ ist  für Jäger der Idealfall. An Ästhetik  sind sie insbesondere bei der Flugwildjagd  kaum zu überbieten. Wer  die Herausforderung liebt und das  Flintenschießen beherrscht, kann  bei ihnen sogar die Kaliber 28/76  oder .410 wählen: prädestiniert für  die Hühner- und Taubenjagd. Ein  echter Anreiz für die Schützen, die  damit auf getriebene Grouse oder  Rothühner jagen wollen.
Spezielle Flintendisziplinen erfordern  Wechsellaufbündel in den  Kalibern 12, 20, 28 und .410. Das  Kaliber 16/70 ist zwar jagdlich universell  einsetzbar, aber international  ins Hintertreffen geraten. Einzige  Ausnahme: die edle „Essencia“.  Optimal für Enthusiasten des 16er-  Kalibers. Dieses sorgt vor allem bei  kombinierten Waffen wie Drillingen  oder Bockbüchsflinten für schlanke  Laufbündel. Doch auch dort hat sich  das Kaliber 20/76 durchgesetzt.