Kanzelbericht – Erfahrungen – Meinung – Fazit

Da steht sie nun im Maisfeld in einer Schneise… groß und grün über den Mais hinausragend und wartet darauf, von mir in Besitz genommen zu werden für den heutigen Nachtansitz auf die schwarzen Gesellen. Ich begebe mich zu der sehr stabil aussehenden Aluleiter in grün und steige hinauf zu meinem Wohnheim der nächsten Stunden. Oben angelangt stehe ich auf einer kleinen Gitter-Plattform, also bei Regen wird mir hier nichts passieren, kein Ausrutschen etc. An der Tür finde ich ein richtiges Zylinderschloss vor. Das finde ich sehr nobel, nicht die sonst von uns verwendeten Zahlenschlösser mit drehbarer Nummerneinstellung, die spätestens nach dem fünften Regen Rostspuren zeigen und eine Einstellung des Codes beharrlich verweigern. Also auf mit dem Schloss und hinein in gute Stube. Der erste Gedanke ist: „Quadratisch, praktisch, gut.“

Das erste was ich sehe –

  • an allen drei Fenstern sind Moskitonetze in Tarnfarbe, praktisch mit kräftigen Gummibändern nach oben gehängt
  • eine schöne breite, verschiebbare Bank
  • alles ist mit Filz überzogen, Wände, Auflagen, Boden, Dach
  • eine Gewehrauflage, schön breit mit einem großen V-förmigen Ausschnitt
  • darunter eine Ablage, die ebenfalls verschiebbar ist
  • der Blick nach oben zeigt eine Dachluke, die man öffnen kann

Ich beginne mich einzurichten. Fernglas auf die Ablage, Rucksack unter die Bank, Gewehr geladen und in die Ecke gestellt. Passt alles schon mal sehr gut. Handy und Kleinkram wird auf der verschiebbaren kleinen Ablage verstaut, die Wasserflasche kommt auf die obere Ablage ins Eck. Jetzt noch die Fenster öffnen. Diese glasklaren Acrylscheiben sind mit starken Gummibändern auf der oberen Ablage an runden Befestigungsscheiben fixiert. Einfach losmachen und dann an dem grünen Bändchen, das an der Scheibe befestigt ist nach oben ziehen. Dann stehe ich da mit der Schnur in der Hand und suche das Gegenstück zum Fixieren. Sehr nobel gelöst – diese Befestigungsscheiben sind ganz oben an der Wand sehr gut verteilt, ich kann also wählen, ob ich die Scheibe ganz senkrecht an die Kanzelwand klemme oder die Möglichkeiten von gerade bis sehr schräg ausnutze. Je nach Neigung habe ich hier verschieden angeordnete Befestigungsscheiben zur Verfügung. Durch diese verschiedenen Variationen der Schrägstellung kann man bei Bedarf den Wind ein wenig aussperren, wenn er zu stark aus einer Richtung kommen sollte. Platz nehmen und einen Rundblick starten. Sehr, sehr schön. Ich bin ja nur 1,60m groß und kämpfe Zeit meines jägerischen Lebens mit Kanzeln, die für mich zu groß sind. Meisten muss ich mich auf die Knie setzen, damit ich schießen kann. Aber hier…. Alles sehr schön, Schuss wäre möglich. Aufgrund dieser Erfahrung bekommt die Kanzel auch sofort ihre Namenstaufe – sie heißt jetzt Zwergenheim. Nein, das kommt nicht von mir, sondern von diesen lustigen, 1,80 – 1,95 großen jagdlichen Kollegen, die mich seit Jahren begleiten. Wobei auch diese (im Vergleich zur mir) Riesen von der Kanzel ebenfalls begeistert waren, weil Beinfreiheit vorhanden ist. Wer wirklich überlange Beine hat, der hat noch eine tolle Möglichkeit hier – den Schlafsack. Direkt vor mir befindet sich ein Riegel; wenn er gelöst wird, klappt an der Außenwand ein Teil der Wand herunter und der wasserdichte Beinsack entfaltet sich. Das wird natürlich von mir sofort getestet. In dem Sack hätte ich von der Länge 1,5mal Platz. Sollte man wirklich schlafen wollen und plötzlich wachwerden, weil die jagdlichen Instinkte einen wachrütteln, findet man an der Wand in Fusshöhe ein Spekulierfenster, welches einen schnellen kontrollierenden Blick auf die jagdliche Bühne gibt. Man muss also nicht erst aus dem Sack kriechen und sich aufrichten, damit man schauen kann. Der totale Luxus ist allerdings die mobile Rückenlehne, ein dickes Schaumstoffteil in der Filztasche. Konisch geschnitten hängt sie mit zwei Bändern mit Metallringen oben an der Wand und wartet auf ihre Positionierung. An Wand ganz oben sind in verschiedenen Abständen Metallhaken, so dass man die Lehne wahlweise links, rechts, hinten oder auch schräg in die Ecke hängen kann. Durch den konischen Schnitt kommt sehr schnell der Couch-Charakter hoch.

Fazit:

Pluspunkte:

  • alles wirkt sehr hochwertig und gediegen verarbeitet
  • sehr geräuscharm innen durch die Filzverkleidung. Auch ist es sehr angenehm, dass man das Gewehr beruhigt an die Wand lehnen kann ohne ein Geräusch zu verursachen
  • Bei Regen ist die Kanzel angenehm leise. Natürlich hört man die Regentropfen, aber es ist kein lautes Trommeln
  • Ausreichend Platz vorhanden für alle Körpergrößen
  • Durch Fester sind passgenau und bilden im geschlossenen Zustand die Ecke der Kanzel. Dadurch entfallen die Streben und man hat einen ungestörten Blick von links nach rechts. Und man kann mit dem Gewehr durchziehen. Wer kennt nicht die Situation – der Bock steht man legt an und dass springt der Kerl fünf Schritte weiter…. Gewehr aus dem linken Fenster hereinholen, zum Mittelfenster wieder raus. Das hat man hier nicht
  • Der Aufstieg mit Metalleiter und Metallpodest gibt ein gutes Gefühl der Sicherheit.
  • Ablagemöglichkeiten sind gut vorhanden
  • Mückennetze sind genial und werden durch die Netzstruktur sogar vom Zielfernrohr ausgeblendet
  • Das Hubfenster im Dach ist genial im Sommer, weil stehende Hitze im Kanzelinnenraum gemildert werden kann.

Alles in allem – sehr empfehlenswert. Natürlich schreckt im ersten Moment der Preis etwas ab, aber man hat hier etwas für Jahre. Der Mobilitätsgedanke ist hier voll verwirklicht. Die Sauen gehen in den Mais und keine Kanzel oder Leiter in der Nähe? Kein Problem, zusammenklappen, anhängen und an geeigneter Stelle aufstellen – jagen gehen. Perfekt. Wer hier sagt: „Oh, viel zu teuer“, der sollte bedenken, dass hier sehr viel Know-how, Handarbeit, Prüfungen, Zertifikate, TÜV etc. drin stecken und auch einmal penibel nachrechnen, was eine Kanzel aus Holz inkl. Arbeitsstunden kostet, bis sie bezugsfertig im Revier steht. Da kommen wir bei einer etwas besseren, geschlossenen Ausführung mit Fenstern auch locker an die 1000-Euro-Grenze.

 

 

Foto: Röck
Foto: Röck

 

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