Einmal Masuren – immer Masuren

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Meine Bekannten haben es mittlerweile aufgegeben, mich nach anderen Reisezielen zur
Hirschbrunft zu fragen. Wer mit mir die Hirschbrunft erleben möchte, der muss mit mir in die Johannisburger Heide fahren. Seit knapp 15 Jahren reise ich nur noch in die Oberförsterei Strzalowo und wohne dort im Haus Hubertus. Viele Freunde haben mich schon begleitet und alle waren von der Schönheit des Reviers, den fachkompetenten Förstern, der erstklassigen Unterkunft und der Liebenswürdigkeit der Gastgeber begeistert.

Knapp 20 000 Hektar umfasst das staatliche Revier. In 2014 wurde ich von meinem Jagdführer mit den Worten begrüßt: „Wir jagen in einem neuen Teil. Wir müssen uns
das gesamte Wissen über dieses Revier neu erarbeiten.“ Begeistert war ich erst mal nicht, weil ich nach gut zehn Jahren „mein Revier“ rund um Bobrowko – das damalige Bibern – sehr gut kannte. Auch in diesem Jahr wollte mich Jörg Eberitzsch mit der Filmkamera begleiten, um ein paar gute Aufnahmen für sein Videotagebuch zu filmen. Wir haben viel an der Feld-Wald-Kante im neuen Revier gejagt, um so, ohne das Brunftgeschehen zu beeinflussen, alles zu beobachten. Allein, der passende reife Recken lies sich immer erst im Dunkeln blicken.

An den schemenhaften Umrissen des Wildkörpers und der Trophäe sahen wir, dass es ein hochkapitaler Hirsch sein muss. Masuren ist stark kupiert, und wenn bei diesem Wind ein Hirsch im Tal steht, kann man ihn nur auf kurze Entfernung hören. Anders war es auch nicht zu erklären, dass wir gefühlt auf weite Distanz einen Hirsch hörten, der dann auf einmal wenige Hundert Meter vor uns stand. Und was für ein Hirsch: Mächtige Stangen, ein riesiger
Dorn unterhalb der Krone ging nach hinten, die Rosen platt auf dem Kopf und die Figur eines alten Hirsches, den wir nun unbedingt erbeuten wollten. Der Hirsch zog auf die Bergkuppe.
Mein Jagdführer schnellen Schrittes vorweg, ich hinterher und am Ende der Kameramann. Einen tiefen Hohlweg, mitten durch die Wiese, konnten wir als Deckung nutzen. Der Tag neigte sich, nun musste es schnell gehen. Wir hatten nur eine Chance, weil uns dann der Hirsch weghaben würde. Wir orientierten uns an der Stimme. Erst nach schweißtreibender, 20-minutiger Pirsch legten wir fest, dass wir aus dem Hohlweg herausmussten. Als wir über die Kante schauen konnten, stand „mein Hirsch“ auf 120 m auf der Wildwiese. Kein Baum zum Anstreichen, kein Schießstock und vor allem keine Zeit. Als jagdlicher Schütze ist
mir der Schuss stehend freihändig nicht unbekannt, aber auf so einen kapitalen Hirsch war das eine Herausforderung. Das Fadenkreuz zog sich fest. Laut bellte der 3o-o6 Stutzen, ein Feuerball blendete mich und nach klassischen Zeichnen lag der Hirsch nach kurzer Flucht.
Nun kam das Jagdfieber, das Ziehen im Rücken kennen Sie sicher und meine beiden Freunde verstärkten dies durch heftiges Schulterklopfen. Es war also doch eine gute Entscheidung
des Jagdführers, den Revierteil zu wechseln. Und Masuren, die Johannisburger Heide und speziell die Oberförsterei Strzalowo, werden immer meine jagdliche Heimat zur Hirschbrunft bleiben.

Heinrich Vahle, Erlebnisbericht
Kunde von Jagdbüro G. Kahle

Video zur Jagdgeschichte: Teil 1

Video zur Jagdgeschichte: Teil 2

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.jagdbuero-kahle.de/