Agieren statt reagieren!

Methoden der Wildschadensverhütung nicht nur zur Maisaussaat. 

Foto: Jens Krüger
Foto: Jens Krüger

obald es Mitte April deutlich wärmer wird und trocken genug ist, werden die Felder für die Maissaat hergerichtet. Am Mais entstehen heutzutage zweifellos die größten und teuersten Wildschäden im landwirtschaftlichen Bereich. Die Pflanze ist für zahlreiche Tierarten über die gesamte Anbauzeit hinweg interessant. Bereits der frisch ausgebrachte Saatmais zieht neben einer Reihe von Vögeln und Nagetieren insbesondere das Schwarzwild magisch an, das dann auf der Suche nach den schmackhaften Körnern die Saatreihen entlang aufwühlt. 

Begünstigt werden die Schäden oftmals durch den unglücklichen Umstand, dass der Mais zu einem hohen Grad selbstverträglich ist, also nicht jedes Jahr im Fruchtwechsel mit anderen Feldfrüchten angebaut werden muss. 

Wenn im Herbst gleich nach der Ernte alter Schwarzwildschaden oder sonstige Ernterückstände mit untergepflügt werden und im Frühjahr darauf wieder neuer Mais angebaut wird, sind das ideale Bedingungen, den Sauen einen Anreiz auf diesen Flächen zum Brechen zu geben. 

Landwirt und Jäger sollten rechtzeitig über gemeinsame zu erwartende Probleme reden. Das betrifft sowohl die Information, wann welche wildschadensanfällige Kultur in gefährdeten Lagen angebaut werden soll, als auch die Bereitschaft, Schutzmaßnahmen seitens des Jägers während der Gefährdungszeit nicht nur zu tolerieren, sondern aktiv zu unterstützen. Matthias Meyer 

 

Jagdmethoden und Jagdstrategien 

Die Schönste aller Wildschadensverhütungs-Methoden ist immer noch die Jagd! 

Das beginnt damit, dass wildschadensgefährdete Flächen vorrangig zu bejagen sind und im Wald Ruhezonen eingerichtet werden sollten. Wo erlaubt, leisten auch Wühläcker und Ablenkfütterungen fernab der Mais- und Getreideschläge wertvolle Dienste. Zudem ist es immer hilfreich, sich mit dem Nachbarn auszutauschen. 

Kleine Maisjagden mit Hunden beeindrucken auch wesensfeste Rotten. Achtung: Wildschäden sind jedoch kein Grund, die Freigaben besonders „locker“ zu gestalten. Eine führende Bache zu erlegen ist und bleibt eine Straftat, die den Jäger den Jagdschein kosten kann! Darauf sollten die Jagdgäste hingewiesen werden. Wohl dem, der vor der Einsaat den Landwirt überzeugen konnte, Bejagungsschneisen im Feld anzulegen. 

Die bringen Anblick und Strecke. Ist nicht genügend Licht für den Ansitz vorhanden, sollten die Schwarzkittel zumindest mit einem Schuss in den Boden und Klagelauten vergrämt werden. 

Praxis: Die wenigsten haben die Zeit, eine Nacht nach der anderen durchzusitzen. Warum nicht ein paar junge Jäger integrieren? Der Nachwuchs freut sich über die Jagdmöglichkeit, hat Biss und Sitzfleisch. Als einem Bekannten vor Jahren der Wildschaden über den Kopf zu wachsen drohte, „retteten“ ihn ein paar Studenten. Die durften jedes zweite Stück als „Grillschwein für den Eigenbedarf“ mitnehmen.

 

Elektrozäune oder Baustahlmatten setzen 

Elektrozäune sind die verbreitetste Methode, Schwarzwild aus den Feldern zu halten. Die Technik ist zuverlässig und die Kosten halten sich in Grenzen, weil das Qualitätsmaterial aus dem Fachhandel viele Jahre eingesetzt werden kann. 

Um ein Feld zu schützen, bedarf es mehrerer hundert Meter Weidezaun, Kunststoff-Weidezaunpfähle, ein Torgriff-Set sowie eine leistungsstarke Batterie und Erder. Der limitierende Faktor bei Elektrozäunen ist die Schlaggröße. Vergleichsweise kleine Felder lassen sich gut schützen. Bei Schlaggrößen, wie sie in den neuen Bundesländern zu finden sind (100 Hektar; 4000 m Kantenlänge) hat ein Zaun eher symbolischen Charakter. 

Praxis: Mit mehreren Helfern ist ein Maisfeld relativ schnell gezäunt. Der größte Aufwand ist erfahrungsgemäß, das System am Laufen zu halten. Denn jedes anliegende Maisblatt und in den Zaun wachsenes Unkraut senkt die Leistung. Um länger Ruhe zu haben, kommt man um Unkrautvernichtungsmittel kaum herum (Gesetzliche Vorschriften beachten!). 

Trotz funktionierendem Hochleistungs-System habe ich jedoch schon mehrfach beobachtet, dass Bachen den Zaun zwar wahrgenommen haben, sicherten, dann aber doch mit „Anlauf“ ins Maisfeld gewechselt sind. Bei den ihnen folgenden Frischlingen bekam jeder zweite einen Stromschlag, der klagend kommentiert wurde. 

Baustahlmatten-Zaun: In manchen Regionen war es früher üblich, wildschadensgefährdete Flächen mit Baustahlmatten einzuzäunen. Denn einmal aufgestellt, gewähren diese dauerhaften Schutz. Für wiederkäuendes Schalen- und Niederwild stellen die gut einen Meter hohen Matten kein Hindernis dar. Der limitierende Faktor ist eher der Preis. Bei einer Zaunlänge von mehreren hundert Metern, kommt da schnell ein größeres Sümmchen zusammen. 

Daher lassen sich, bei vertretbarem Aufwand, nur kleine Felder wirkungsvoll schützen. Unabhängig der genannten Vor– und Nachteile sollte auf derartige Schutzvorrichtungen verzichtet werden. Denn Baustahlmatten zur Wildschadensabwehr einzusetzen, ist Jägern mittlerweile verboten worden – nachzulesen im Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden  (4K 1208/10. WI). Die Kammer stellte im Urteil klar, dass auf Dauer errichtete Zäune im Außenbereich zum Schutz vor Wildschäden einen Verstoß gegen das Vermeidungsgebot des Paragrafen 15 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz darstellen und deshalb unzulässig sind. Die negativen Folgen für Natur und das Landschaftsbild seinen einfach zu groß. Daher unbedingt vor dem Aufbau bei den zuständigen Behörden nachfragen, damit es kein böses (teures) Erwachen gibt. 

Erfahrungen: Vor Jahren habe ich in einem Revier gejagt, in dem die besonders wildschaden-gefährdeten Wiesen (Wald-Feld-Kante) mit Baustahlmatten gesichert worden waren. Die Zäune waren bereits soweit eingewachsen, dass sie kaum zu erkennen waren. Wildschaden wurde so zuverlässig verhindert, obwohl der Druck durch Schwarzwild sehr hoch war. Inzwischen mussten aus den oben genannten Gründen auch dort die Matten entfernt werden.

 

Akkustische Wildscheuchen 

Eine weitere Möglichkeit Wildschäden zu verhindern, sind akustische Vergrämungsgeräte. Dabei kann zwischen zwei grundlegenden Funktionsweisen gewählt werden. 

Eine Möglichkeit sind mit Propangas betriebene Schreckschussgeräte. Durch das zünden einer gewissen Menge Gas, wird ein Schussknall erzeugt, der das Wild verscheuchen soll. Leistungsstarke Geräte mit „Dreifachschuss“ sollen eine Fläche von vier bis fünf Hektar schützen können. Ursprünglich für die Vogelabwehr entwickelt, leisten derartige Geräte auch einen wirksamen Schutz gegen Schwarzkittel und anderes Schalenwild. Nachteil: Es bedarf einer Genehmigung. Zudem können sich Leute vom Knall gestört fühlen. 

Geräte wie der „Raptor WLS R35“ von electronic protection (www.vogelabwehr.at) wurden für deutlich größere Flächen entwickelt. Beim „Raptor“ kann der Jäger zwischen zahlreichen Modi (Warnlaute, Klagelaute, Hundegebell etc.) und Intervallen (4 bis 160 Minuten) wählen. Gespeist wird das System über eine 12 Volt starke Autobatterie. Die genügt für 120 Tage Schutz. 

Praxis: Bei Schreckschussgeräten trifft eigenen Erfahrungen zufolge nach einiger Zeit ein Gewöhnungseffekt ein. Der kann jedoch etwas herausgezögert werden, wenn die Geräte regelmäßig umgestellt werden. Die Wirkung des Raptors konnte im Test wirklich überzeugen. Wegen des breiten Repertoires an Vergrämungslauten fällt es dem Wild deutlich schwerer, sich daran zu gewöhnen. 

Achtung! Bei allen akustischen Systemen sollte ein entsprechender Abstand zu bewohnten Gebieten eingehalten werden (Lärmemission)! Oft reicht es aber auch, die Anwohner rechtzeitig zu informieren.